Studientag der Diözesankonferenz Beratung - Der Schatz im Acker

Zum Umgang mit Schuld und Vergebung in Beratung und Begleitung

Die Themen von Schuld und Schuldgefühlen und die Frage nach der Möglichkeit von Vergebung und Versöhnung begegnen uns im persönlichen Leben ebenso wie in vielen Beratungsprozessen. Obwohl sie sich durch alle Lebensbereiche ziehen können, fällt uns der persönliche und gesellschaftliche Umgang damit nicht leicht.

Das mag damit zu tun haben, dass das Hinterland des Schuldthemas ein unübersichtliches Terrain ist: In der Kirche wurde nicht selten in einer Art und Weise über Schuld gesprochen, die wenig konstruktiv war. Den Menschen wurde (Höllen-) Angst gemacht. Die Frohbotschaft wurde zur Drohbotschaft verzerrt.

Auch unsere Deutsche Geschichte belastet unser Verhältnis zum Schuldthema. Die Frage, wie wir mit der Schuld umgehen können, die unsere Vorfahren in der NS-Zeit auf sich geladen haben, erhitzt bis heute die Gemüter, und sie hat in vielen Familien die Art und Weise geprägt, wie mit Schuldthemen umgegangen wird. In der Gesellschaft von heute bietet sich noch ein anderes Bild. Auch dort, wo ganz offensichtlich Unrecht passiert, nimmt kaum einer das Wort Schuld in den Mund.

„Ich spreche viel lieber von Verantwortung, der Begriff Schuld klingt so vorwurfsvoll.“ Diesen oder ähnliche Sätze hören wir nicht selten in Beratungsgesprächen. Psychologisch ist beides problematisch. Weder das dauernde Spiel mit Schuld-Vorwürfen macht glücklich, noch der Wahn, ja keinen Fehler machen zu dürfen, immer perfekt und schuldlos sein zu müssen. Und auch Vergebung und Versöhnung können nur gelingen, wenn Schuld anerkannt wird und von innerpsychischen Schuldgefühlen unterschieden werden kann.

So möchten wir bei dieser Tagung einerseits das gesellschaftliche und psychologische Feld von „Schuld“ und „Vergebung“ beleuchten, um zu fragen, ob Schuld möglicherweise ein wichtiger Schlüssel zur Beantwortung grundlegender Fragen sein kann, ein Schatz im Acker, der zu heben wäre. Andererseits soll bei dieser Tagung auch die biblisch-christliche Tradition mit bedacht werden, um Anstöße für einen auch geistlich-existentiellen Umgang mit dem Thema der „Schuld“ zu finden. Bereits in den Urgeschichten der Genesis wird der Mensch als paradoxes Wesen beschrieben: Großartig, Krönung der Schöpfung – und gleichzeitig ein an sich und der Welt versagendes Wesen. Wie kann der Mensch damit leben, welche Rolle können Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Versöhnung und Vergebung spielen – und wie können wir heute damit umgehen.

In den Vorträgen dieser Tagung werden wir mit den beiden Referenten folgenden Themen nachgehen:

  • Wir werden uns bewusst machen, wie historischen Belastungen uns dazu verführen können, das Schuldthema zu vermeiden. 
  • Es geht darum, wie sehr das Schuldthema aus psychologischer Sicht zum Menschen dazu gehört und warum es wichtig ist, dass es thematisiert wird, ebenso wie die Unterscheidung von Schuld und Schuldgefühlen. 
  • Wir besprechen, wie das Schuldthema in unseren Beratungs- und Begleitungsprozessen vorkommt und wie wir ihm dort einen guten Platz geben können. Dabei geht es auch um die Versuchung, Schuld durch andere Themen zu ersetzen, die angeblich leichter zu bewältigen sind. 
  • Es wird darum gehen, wie Vergebung und Versöhnung gelingen können, wenn zugleich Schuld als die Freiheit, sich schuldig zu machen, anerkannt wird.
  • Und wir fragen danach, wie uns unsere biblisch-christliche Tradition inspirieren kann: Hier gibt es eine lange Erfahrung und anregende Geschichten, konstruktiv mit den Themen Schuld und Vergebung umzugehen und immer wieder nach Wegen zu suchen, mit dem paradoxen Wesen des Menschen gut umzugehen.

Programm

  • 09:00 Uhr 
    Ankommen und Stehkaffee  
  • 09:30 Uhr
    Grußwort: Petra Dierkes, Leiterin Hauptabteilung Seelsorge, Erzbistum Köln 
  • 09:45 Uhr
    Dr. Christoph Hutter: Vortrag (45 Min):
    Ein historischer und psychologischer Blick auf die Schuld 
    Die Geschichte des Schuldthemas: Ein zweifach schwieriges Erbe
    Die psychologische Sicht: Schuld als existentielles Lebensthema 
    Die Anerkennung von Schuld als Voraussetzung für Versöhnung und Vergebung  
  • 10:30 Uhr 
    Rückfragen / Diskussion mit dem Referenten (30 Min.) 
  • 11:00 Uhr 
    Pause 
  • 11:15 Uhr
     Dr. Christoph Hutter Vortrag (45 Min):
    Schuld und Vergebung/Versöhnung im Kontext von Beratung und Begleitung 
    Schuld und die notwendigen Unterscheidungen (Schuld und Schuldgefühle/Tragik/Scham) 
    Schuld und/oder Verantwortung? 
    Schuld und Fehlerfreundlichkeit – zwei Leitplanken für den Beratungsprozess
  • 12.00 Uhr
    Rückfragen / Diskussion mit dem Referenten (30 Min.) 
  • 12:30 Uhr
     Mittagspause inkl. Imbiss 
  • 13:45 Uhr
     Arbeit in Kleingruppen: Reflexion der eigenen Beratungs-/ Begleitungspraxis: Wie kommen die Themen Schuld und Vergebung/Versöhnung in der eigenen Arbeit vor? Welche besonderen Herausforderungen stellen sich dabei? Welche Impulse haben die Vorträge für die eigene Arbeit gegeben? 
  • 14:30 Uhr 
    Pfr. Matthias Schnegg: Vortrag (45 Min.)
    So ist der Mensch – und wie können wir damit leben?
    Biblisch-theologische Anstöße zum Thema Schuld und Vergebung.
    Der Mensch als paradoxes Wesen zwischen Größe und Versagen
    Wie können wir heute mit Schuld umgehen? 
    Welche Rolle könnten Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, das Sakrament der Versöhnung und Vergebung spielen? 
  • 15:15 Uhr 
    Rückfragen / Diskussion mit dem Referenten (30 Min.)  
  • 15:45 Uhr 
    Kaffeepause 
  • 16:00 Uhr 
    Gesprächsrunde mit den Referenten und je einem / einer Vertreter/in aus den Beratungsbereichen: Schuld und Vergebung - welche Impulse hat der Tag gegeben? 
  • 16:30 Uhr 
    Abschlussworte durch den Veranstalter 
  • 16:45 Uhr 
    Abschlusssegen

Diese Veranstaltung wird von folgenden Kooperationspartnern organisiert: Anke Hirsch (esperzana Schwangerschaftsberatung), Annelie Bracke (Telefonseelsorge), Günther Bergmann (Ehe-, Familien- und Lebensberatung), Georg Seegers (Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e. V.).

Kurs Nr.
21819-49
Hinweise
Achtung: Terminänderung! Die Veranstaltung findet nicht wie im Programm gedruckt im September statt sondern im November 2019.
Ort
Katholisch-Soziales Institut, Bergstraße 26, 53721 Siegburg
Datum
04.11.2019
Uhrzeit
09:00 - 17:00 Uhr
Kostenfreie Abmeldung bis
01.10.2019
Anmeldeschluss
01.10.2019
Teilnehmende (max.)
151
Zielgruppe
Mitarbeitende der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Erziehungsberatung, Schwangerschaftsberatung sowie Telefonseelsorge
Kosten für Mitarbeitende
40,00
Anmerkungen Kosten
inklusive Getränken und Mittagessen
Inhaltliche Fragen
Georg Seegers, 0221 2010-286, georg.seegers@caritasnet.de und Anke Hirsch, 0221 2010-144
Referent/in 1
Dr. Christoph Hutter
Profession
Diplom-Theologe, Diplom-Pädagoge, Psychodramatiker (DFP), Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberater (BAG), Ausbilder und Supervisor für Psychodrama
Referent/in 2
Pfarrer Matthias Schnegg
Bildungspunkte (ECTS)
0,6